Gründen mit dem richtigen Team

Ihr habt eine tolle Gründungsidee und braucht nun dringend Mitgründer oder Personal? Obwohl Teamentwicklung als vergleichsweise geringe Herausforderung von Startups und Gründern angesehen wird[1], ist das Team einer der Top3-Faktoren für das Scheitern eines Startups. [2] Was es bei der Auswahl zu beachten gibt, lest Ihr in diesem Beitrag.

Tipp 1 – Berücksichtige insbesondere Soft Facts

Was sich wahrscheinlich jeder sofort nach Bewerbungseingang anschaut, ist der Lebenslauf eines potentiellen Co-Founders oder Mitarbeiters. Einfach nachvollziehbar sind Angaben wie Alter, Geschlecht, Verfügbarkeit und fachliches Know-how. Beim Mitgründen ist auch die finanzielle Situation entscheidend. Ergänzend solltest Du Dir auch ein möglichst umfassendes Bild der Persönlichkeit machen sowie Werte und Einstellungen zu Themen abfragen, die Dir in der Zusammenarbeit wichtig sind. Zusätzlich kann es aufschlussreich sein, etwas über die Ziele des Bewerbers zu erfahren. Gibt es überhaupt Ziele, wie stellt sich der Bewerber sein Leben vor, wo möchte er in fünf Jahren stehen, was würde er tun, wenn er 50 Millionen Euro auf dem Konto hätte? Fachliches Wissen ist lern- und trainierbar, die Persönlichkeit lässt sich nur schwer ändern. Falls Du Dich mit den Soft Facts noch nicht beschäftigt hast, eigne Dir Basiswissen dazu an. Hast Du einen passenden Co-Founder oder Mitarbeiter gefunden, wertschätzte und pflege den Faktor Team und hole Dir Hilfe, wenn Du zwischenmenschlich nicht weiterkommst. Konflikte können natürlich konstruktiv Weiterentwicklung bewirken, meistens verschwenden sie jedoch nur jede Menge Zeit, Energie und Geld.

Tipp 2 – Sei offen für Andersartigkeit

Auf welchen Typ Mensch würdest Du morgens im Büro lieber treffen: Auf jemanden, der Dir im Mindset sehr ähnlich ist und Dein Freund sein könnte oder auf jemanden, der 180 Grad anders ist als Du? Klar verbringt man lieber Zeit mit Menschen, die einem ähnlich sind. Doch nur weil man sich ähnlich ist und gut zusammenarbeitet, ist man noch lange kein starkes Team. Zu viel Homogenität bewirkt „intellektuelle Verstopfung“. Darüber hinaus ergeben sich eine trügerische Unverletztlichkeitsillusion und kollektive Verdrängung. Gegenstimmen werden ggf. diskriminiert oder unter Konformitätsdruck zur Anpassung gezwungen. Achte bei Deiner Teamzusammenstellung bewusst auf Vielfalt, vor allem im Hinblick auf die Persönlichkeit. Unterschiedlichkeit ergänzt sich und inspiriert.

Tipp 3 – Lerne von denen, die Dich auf die Palme bringen

Trotz aller Vorteile kann Heterogenität im Team natürlich auch zu zwischenmenschlichen Stresssituationen führen. Was also tun, wenn ein bestimmter Typ Mensch stresst, Du ihn aber für den Erfolg des Teams benötigst? Im Laufe unseres Lebens bilden wir uns zu allem Möglichen eine Meinung. Dieser Vorgang geschieht meistens unbewusst und wird maßgeblich vom familiären Umfeld geprägt. Ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste oder siegt am Ende immer der Mut? Kann man sich mit Sicherheit nur auf sich selbst verlassen oder setzt Vertrauen in andere ungeahnte Potentiale frei? Fakt ist eines: Du wirst für jede Überzeugung Beispiele finden. Wichtig ist es, mental flexibel zu sein. Alles ist gut zu seiner Zeit. Mal ist Vorsicht geboten, mal ist ein mutiger Sprung ins kalte Wasser ratsam. In bestimmten Situationen führt Sparsamkeit zum Ziel, in anderen großzügiges Investment. Vertrauen ist gut, manchmal ist es aber auch wichtig, zu kontrollieren. Hältst Du dogmatisch nur eine Variante für richtig und die andere für verkehrt, verlierst Du Deine Freiheit im Denken und Handeln. Du gerätst mit Menschen aneinander, die gegenteilige Meinungen wie Deine vertreten. Last but not least kann es sein, dass einseitiges Fühlen, Denken und Handeln spontan oder schleichend zur Gegenseite pendelt. Jemand, der immer nett ist und seinen Ärger runterschluckt, wird irgendwann explodieren. Jemand, der übertrieben großzügig ist, zieht falsche Freunde an und verweigert aus Enttäuschung irgendwann übertrieben sparsam denjenigen Hilfe, die sie wirklich benötigen. In jedem Anti-Wert steckt in der abgeschwächten Form auch etwas Positives. Narzisstische Selbstliebe wird in der soften Form zum gesunden, starken Selbstbewusstsein. Aufopferung wird abgeschwächt zu Hilfsbereitschaft. Im Geiz steckt Sparsamkeit und in der Verschwendung die Großzügigkeit.[3] In dem Moment, in dem Du Deine einseitige Präferenz erkennst und das Positive im scheinbar Schlechten siehst, wird es Dir besser gelingen, ein diverses, starkes Team aufzubauen.

[1] https://deutscherstartupmonitor.de/fileadmin/dsm/dsm-18/files/Deutscher%20Startup%20Monitor%202018.pdf S.75 Abb. 54

[2] https://www.cbinsights.com/blog/startup-failure-reasons-top/

[3] Vgl. Werte- und Entwicklungsquadrat nach Friedemann Schulz von Thun

 

Über die Autorin:

Johanna Heußner

Johanna Heußner

Johanna Heußner ist Profilerin und Wirtschaftspsychologin. Mit ihrem Unternehmen Coach Your Venture (www.coachyourventure.de) begleitet sie Führungskräfte und Manager bei zwischenmenschlichen Herausforderungen und ergänzt strategische Fragestellungen um die psychologische Perspektive. Zuvor war Sie Head of Profiling bei der Beratung fbtk global. In acht Jahren verantwortete Sie zahlreiche Projekte zum Thema Zielgruppenpersönlichkeit.

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