Pressearbeit für Selbstständige und Startups (Teil 1)

Ab sofort werden wir auch regelmäßig Gastbeiträge im Blog veröffentlichen. Den Start macht PR-Experte Jan Kronenberger mit einem zweiteiligen Artikel und beginnt mit der Frage, die sich viele Startups und Selbstständige stellen:

 

Ist Pressearbeit für junge Unternehmen und Selbstständige sinnvoll?

Viele junge Unternehmen, Startups zum einen, aber auch aufstrebende Mittelständler und Selbstständige, die unter anderem durch den digitalen Wandel angetrieben werden mehr Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, stellen sich die Frage, ob Pressearbeit für sie sinnvoll sein kann. Bei der Abwägung zwischen Kosten und Nutzen, zwischen Ausweitung des Vertriebsarms oder etwa der Investition in neue Soft- und Hardware als Alternative zur medialen Aufmerksamkeit, fällt die Entscheidung am Ende doch zumeist zu Ungunsten von PR aus. Pressearbeit heftet nach wie vor das Pflaster des teuren Kostenversursachers an. Ein „nice to have“ ohne Gegenwert, geschweige denn messbare finanzielle Einnahmen.

Pressearbeit und Kommunikation als Säule unternehmerischen Handelns

Warum aber ist Pressearbeit doch sinnvoll für Gründer, Selbständige und Startups? Auch für die ohne große Budgets, Teams oder Ressourcen? Man könnte zusammenfassen: Weil gute Pressearbeit eine ungemein positive Auswirkung auf alle weiteren Geschäftsfelder eines Unternehmens hat.

An einem Beispiel wird dies deutlicher. Wenn ich ein Unternehmen bildlich als Gebäude darstelle, dann bildet Presse- und Medienarbeit eine tragende Säule. Andere wären bei einer Neugründung oder aber Neustrukturierung beispielsweise HR, klassisches Marketing, Support und vor allem der Aufbau des Vertriebs sowie Produktentwicklung/IT. Die letzten beiden Abteilungen sind aus Sicht der Unternehmen Existenzberechtigung und Wachstumsgarant und genießen bei Gründern, Geschäftsführern und Investoren zumeist einen hohen Stellenwert. In wie weit das für Support und HR oder klassisches Marketing gilt, hängt oftmals von der Erfahrung oder auch der Weitsicht ab, die ein Unternehmen besitzt. PR kommt auf einer to-do Skala oft noch ein ganzes Stück weit dahinter und wird auf einer schwer kalkulierbaren Ausgabenseite verbucht, dabei ist gut gemachte Pressearbeit genau das Gegenteil.

PR ist weit mehr als die Aussendung von Pressemeldungen ohne Mehrwert, Social Media-Schreiberei oder der „Content-Arm“ des Marketings. Presse schafft Aufmerksamkeit. Das beginnt mit der Bildung eines Netzwerks als Schlüssel für erfolgreiches Arbeiten. Die richtigen Inhalte zur richtigen Zeit dem richtigen Medium zu geben ist dann das Handwerk, an dessen Ende Veröffentlichungen aller Art stehen, die stets auch eine vertriebssteigernde Wirkung mit sich bringen. Hier profitiert auch der selbstständige Einzelunternehmer, Ladenbesitzer oder Designer: Berichterstattung schafft Auffindbarkeit, bildet Vertrauen und hilft bei der Neukundengewinnung. Zudem geht es auch darum, nicht alle Inhalte auf einmal auszuspielen, sondern konstant in den Medien präsent zu sein.

Dieses „mediale Grundrauschen“ als Detail wird oft vergessen, ist aber enorm wichtig. So bildet es beispielsweise für den Sales Kollegen am Telefon, dessen Gegenüber das Unternehmen googelt, von dem er zuvor im Zweifel noch nie gehört hat, eine Chance für einen schnelleren Pitch. SEO und Anzeigenmarketing ist hier das eine – non-payed Content, echte Fachartikel, Interviews etc. haben aber eine ungleich höhere vertrauensbildende Wirkung. Gleiches gilt auch bei der wichtigen Personalfindung; hier schafft gute Pressearbeit Seriosität und ist nicht selten das Zünglein an der Waage, sollte der Wunschkandidat zwischen zwei Firmen schwanken (zumal gerade Startups bei High Potentials ja selten mit dem Gehalt punkten können).

Wer PR von Beginn an anpackt, spart auch in Zukunft Geld. Einen Presseverteiler in einer frühen Gründungsphase aufzubauen ist relativ einfach. Es lassen sich nach und nach Medienoutlets hinzufügen, Journalisten abtelefonieren und Kontakte im Nachhinein halten, zumal die Dichte der Neuigkeiten noch nicht all zu groß ist. Nach zwei bis drei Jahren kann dies sogar dazu führen, dass ein teures PR-Tool zur Aussendung und Erstellung von Mediadatenbanken gar nicht erst erforderlich wird. Ähnlich verhält es sich im Bereich Social Media, wo durch die Erfassung von Statistiken Zielgruppenanalysen leichter und treffgenauer durchgeführt werden können, als bei großen Unternehmen. Auch potentiell immer anfallende Fehler, nicht funktionierende Testkampagnen oder PR-Events fallen hier weit weniger ins (finanzielle) Gewicht und helfen am Ende, dank passgenauer Optimierung, beim Aussteuern von Vertriebsmaterialen oder aber (Keyword-)Formulierungen bei Sales-Materialien. Zudem kann früh begonnene Pressearbeit vor teuren Prozesskosten oder Shitstorms schützen, da Krisen-PR, wenn Sie bei der Gründung der Firma beginnt, keine potentiellen Risiken übersieht, was bei einem späteren Zeitpunkt ungleich schwerer sein dürfte.

Fazit: Pressearbeit wie ein maßgeschneiderter Anzug

Zusammenfassend ist PR für Startups, aber auch Solo-Selbstständige sinnvoll. Richtig angewandt wirkt Pressearbeit vertriebssteigernd und schafft Vertrauen gegenüber Neukunden oder Geschäftspartnern. Voraussetzung ist bei fehlendem PR-know-how aber eine passgenaue, individuelle Beratung im Einklang mit den geschäftlichen Milestones des jeweiligen Auftraggebers. So eignen sich oftmals nicht direkt die Schaffung von internen Abteilungen oder der Hinzuziehung großer Agenturen. Kostengünstig und optimal sind hier einmalige Auftaktberatungen, flexibel buchbare PR-Elemente für verschiedene Anlässe oder aber ein projektbasierter Aufbau eines PR-Grundkonzeptes und Verteilers mit professioneller Hilfe.

Ist aber die Beratung maßgeschneidert, anpassbar an wandelnde Bedürfnisse und stimmt sie mit den eigenen Philosophien überein, so verhält es sich mit sinnvoller Pressearbeit ähnlich wie mit einem guten Anzug: Lieber einen Richtigen, an dem lange Freude garantiert ist und die Qualität stimmt, als gar keinen oder einen Unpassenden.

Lesen Sie in Teil 2: Drei PR-Tipps für Gründer und Selbstständige: Wie kann ich erste mediale Schritte selber in die Wege leiten? Warum ist Social Media kein Ersatz für PR? Und welche Möglichkeiten von Auftaktberatungen sind kostengünstig sinnvoll?

Über den Autor:

Jan Kronenberger

Jan Kronenberger

Jan Kronenberger (36) ist aufgewachsen in Köln und seit 17 Jahren in der Pressearbeit (Kunden in Hamburg, Berlin, Köln und London) tätig. Seit seiner Schulzeit arbeitete der studierte Germanist und Historiker als Redakteur und Autor für diverse Kölner Medien, wie den Kölner-Stadt Anzeiger, den TV Sender VOX oder WDR/1LIVE, ehe es ihn durch die PR- und PA-Beratung mehrerer Bundestagsabgeordneten 2011 nach Berlin verschlug. Derzeit baut der Digitalisierungsexperte (von Hamburg aus) neben der erfolgreichen PR-Beratung JK Media UG mit Tridentity Communications eine weitere Firma mit Fokus auf individuell-strategische Kommunikation, Public Affairs und Event-PR auf. Kronenberger war unter anderem erfolgreich in verschiedenen Funktionen für Simplesurance, Quandoo, bonusbox, Siteimprove und zuletzt InnoGames im Hamburg tätig. Aktuell betreut er über sieben Kunden vom hippen Startup über großen Mittelständler bis hin zum traditionellen Einzelhändler und tritt bundesweit als gefragter Gastredner/Kommunikationscoach auf.

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