.garage Gründerportrait Lisa Kühn

Lisa Kühn, Gründerin von AZUBeasy

Ausbildungsexpertin, Gründerin, Trainerin, Speakerin und Podcasterin – Lisa Kühn trägt viele Hüte, und das mit Überzeugung. Als gelernte Hotelfachfrau und BWL-Absolventin bringt sie sowohl praktische Branchenerfahrung als auch betriebswirtschaftliches Denken mit. Mit AZUBeasy hat sie eine Plattform aufgebaut, die Azubis den Ausbildungsalltag leichter macht und gleichzeitig Ausbilder*innen mit einer Perspektive versorgt, die sie sonst selten zu hören bekommen. Im Interview erzählt Lisa, wie aus einem Nebenprojekt eine hauptberufliche Selbstständigkeit wurde und was sie anderen Gründern mitgeben möchte.

Was ist Deine Geschäftsidee, wie bist Du darauf gekommen und wann bist Du gestartet?

Eine klassische Geschäftsidee war das eigentlich nicht. AZUBeasy ist aus meiner eigenen Erfahrung entstanden. Ich habe selbst eine Ausbildung gemacht, den Betrieb gewechselt, und danach wurde mir gesagt, ich müsste unbedingt noch studieren, um irgendwo hinzukommen. Also habe ich das gemacht. Aber im Job habe ich dann immer wieder gemerkt, dass Azubis hinten runterfallen, während der Fokus komplett auf Studierenden liegt. Das hat mich beschäftigt. Ende 2021 habe ich angefangen, eigene Erfahrungen zu teilen, erstmal als Blog und Podcast, einfach um zu schauen, ob das jemanden interessiert. Es hat interessiert. Anfang 2023 habe ich dann das Nebengewerbe angemeldet, weil auch der Bedarf nach Produkten da war. Seitdem ist das Angebot gewachsen: Online-Kurs, Videoformat, Workshops, Trainings, Vorträge. Am 1. November 2025 bin ich dann den letzten konsequenten Schritt gegangen und hauptberuflich in die Selbstständigkeit gestartet.

Was genau bietest Du wem an?

Ich arbeite auf mehreren Ebenen. Einerseits begleite ich Azubis durch ihren Ausbildungsalltag, über Blog, Podcast, Social Media und Online-Kurse. Themen wie Gehaltsverhandlung, Motivation oder der Umgang mit schwierigen Situationen in der Ausbildung sind Dinge, über die viel zu wenig gesprochen wird. Andererseits arbeite ich mit Unternehmen, Kammern und Bildungseinrichtungen zusammen, als Speakerin, Trainerin und Workshopleiterin. Ein besonderes Format ist dabei „1 Tag als Azubi“: Schülerinnen und Schüler in der Berufsorientierung erleben hautnah, wie ein Ausbildungsalltag wirklich aussieht. Und dann bringe ich als Speakerin die Azubi-Perspektive in Räume, in denen sonst hauptsächlich Ausbilder*innen sitzen. Genau das macht den Unterschied.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus? 

Den einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir eigentlich nicht, was ich auch sehr schätze. Mal sitze ich am Schreibtisch, produziere Content, schreibe Blogartikel oder nehme Podcast-Folgen auf. An anderen Tagen fahre ich zu Unternehmen oder Kammern und halte Workshops oder Vorträge. Dann gibt es wieder Tage, an denen ich hauptsächlich in Calls bin, Angebote schreibe oder an neuen Formaten arbeite. Ich bin gleichzeitig Produkt, Marketing, Vertrieb und Buchhaltung, aber ich arbeite dabei mit einem Netzwerk aus Freelancer*innen zusammen, und das wächst gerade weiter.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis in der Selbstständigkeit?

Was mich wirklich trägt, sind die Begegnungen. Azubis schreiben mir über Social Media Dinge, die sie wahrscheinlich nicht mal ihren Freund*innen anvertrauen würden, weil sie wissen, dass ich eine neutrale Instanz bin und es keine Konsequenzen hat. Sie erhoffen sich Hilfe, und ich versuche, sie zu geben. Das berührt mich jedes Mal. Genauso wie die Momente nach Workshops oder Trainings, wenn Azubis auf mich zukommen und sagen, dass ihnen das wirklich geholfen hat. Oder wenn Ausbilder*innen nach einem Vortrag auf mich zukommen und sagen, wie viele Aha-Momente sie hatten und wie erfrischend es ist, mal die andere Seite zu hören. Ich verbinde zwei Welten, die sich viel zu selten wirklich verstehen, und wenn ich merke, dass das gelingt, dann weiß ich genau, warum ich das mache.

Was waren bisher die größten Herausforderungen für Dich in der Selbstständigkeit?

Alle Entscheidungen selbst treffen. Als Gründer*in trägt man die Verantwortung für alles, was gut läuft, und für alles, was nicht so gut läuft. Ich habe auch schon Entscheidungen getroffen, die im Nachhinein nicht optimal waren. Zum Beispiel habe ich einen Online-Kurs sehr aufwendig produziert, ohne vorher ausreichend zu testen, ob der Bedarf wirklich so da ist. Der wurde dann nicht so angenommen wie gedacht, weil ich nicht genug mit meiner Zielgruppe im Austausch war. Das war ein teures Learning. Seitdem gehe ich erst raus, schaue, was gefragt wird, und baue dann weiter aus. Der Austausch mit anderen Selbstständigen und Gründer*innen hilft mir dabei sehr, auch wenn am Ende jeder in seiner eigenen Welt steckt.

Inwiefern war die Beratung der .garage hilfreich?

Frederic hat mich beim Gründungszuschuss der Arbeitsagentur begleitet, so sind wir in Kontakt gekommen. Und ich muss ehrlich sagen: Ohne ihn hätte ich es wahrscheinlich nicht hinbekommen. Ich hatte Fehler bei der Antragstellung gemacht und Frederic hat mir super schnell geholfen, das richtigzustellen und zu korrigieren. Ohne diese Hilfe hätte ich den Gründungszuschuss nicht bekommen. Das war ein echter Gamechanger für den Start in die volle Selbstständigkeit.

Was sind die wichtigsten Tools für Deine Arbeit?

Es sind ehrlich gesagt sehr viele. Für Social Media bespiele ich Instagram, TikTok, YouTube und LinkedIn, je nach Zielgruppe unterschiedlich. Canva nutze ich für die visuelle Gestaltung, Riverside für meinen Podcast, Zoom und Teams für Live-Formate und Webinare, Eventbrite für Veranstaltungen, und Mentimeter für interaktive Workshop-Elemente. Für die Buchhaltung nutze ich Lexware Office, für Social-Media-Analysen Metricool, für meine Workshop-Planung Memogic. Und in Sachen KI arbeite ich mit ChatGPT und Claude. Die Tool-Liste ist gefühlt endlos, aber das gehört dazu, um den Alltag zu erleichtern.

Was sind Deine aktuellen Pläne und was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Der nächste große Meilenstein ist, dass ich mein erstes Teammitglied einstelle, als Werkstudent*in oder Minijobber*in. Ich merke, dass ich alleine irgendwann nicht mehr allem gerecht werden kann, und das ist eigentlich ein schönes Problem, weil es bedeutet, dass AZUBeasy wächst. Ich baue mir jetzt nach und nach mein Team auf. Langfristig möchte ich noch mehr Unternehmen und Kammern als Partner*innen gewinnen und die Inhalte für Azubis weiter ausbauen, damit noch mehr junge Menschen wirklich gut durch ihre Ausbildung kommen. Ich freue mich schon, wenn meine erste Unterstützung fest im Team dann Anfang August startet.

Was ist für Dich das Schönste an Deinem Job?

Dass ich zwei Welten verbinde, die sich viel zu selten wirklich verstehen. Azubis erleben ihren Alltag oft ganz anders, als Ausbilder*innen ihn wahrnehmen, und genau da setze ich an. Wenn ich in einem Vortrag oder Workshop spüre, dass auf einmal Dinge klick machen, dass jemand versteht: „Ach, so sieht das die andere Seite“, dann weiß ich, warum ich das mache. Dazu kommt die Freiheit, mein Business so zu gestalten, wie ich es für richtig halte. Das ist ein Privileg, das ich nicht selbstverständlich nehme.

Was möchtest Du anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Fangt an. Ich habe meine Website dreimal überarbeitet, mich mit Farben und Branding beschäftigt und dabei wertvolle Zeit verloren, die ich besser mit echten Gesprächen mit meiner Zielgruppe verbracht hätte. Kein Business überlebt, weil es das perfekte Logo hat. Es überlebt, weil es echten Bedarf trifft. Das ist leider ein typisches Frauenproblem mit dem Perfektionismus. Ich hab es auch nicht geglaubt, als es mir andere gesagt haben, aber es ist wirklich los. Halte Dich nicht mit den Kleinigkeiten auf, die ändern sich sowieso noch 10-mal. Also rausgehen, testen, Feedback holen, und dann weiterentwickeln. Und baut Euch ein Netzwerk aus anderen Selbstständigen auf. Das ist wirklich unbezahlbar.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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