.garage Gründerportrait Daniel Streilein

Daniel Streilein, Inhaber eines Designstudios für Großformat-3D-Druck

Die Bedürfnisse von Kund*innen zu verstehen und in Designs zu übersetzen, ist ein zentraler Teil von Daniels Arbeit. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Henry führt er ein Designstudio für Großformat-3D-Druck mit eigener Fertigung in Hamburg. Als Diplom-Industriedesigner war er vor der Gründung bereits als Head of Design in einer Agentur tätig, wo er ein Team leitete. Sein Fokus lag schon damals auf User Experience und Markendesign. Im Interview erzählt Daniel unter anderem, welche Potenziale er im Markt des Großformat-3D-Drucks sieht und was er sich für die Zukunft wünscht.

Was ist Deine Geschäftsidee, wie bist Du darauf gekommen und wann bist Du gestartet?

Die Geschäftsidee basiert auf der Technologie des Großformat-3D-Drucks. Additive Fertigung ist ein weites Feld mit unterschiedlichsten Anwendungsbereichen und Reifegraden, und besonders im Bereich des großformatigen Drucks sehe ich viel Potenzial, das bisher noch ungenutzt ist.

Die Möglichkeit, in kurzer Zeit große, belastbare Objekte herzustellen, fasziniert mich. Als Designer verstehe ich die Bedürfnisse von Anwender*innen und Märkten und kann diese in Produkte übersetzen. Wir entwerfen Objekte, die mit keiner anderen Technologie so herstellbar wären, und haben den kompletten Prozess in der Hand, vom Entwurf bis zum fertigen Objekt. Keine Prototypen, sondern fertige Objekte, die in Form und Funktion überzeugen, ab Stückzahl eins, beliebig skalierbar. Als Gestalter setzen wir uns bewusst mit der Ästhetik des 3D-Drucks auseinander: Die Linientextur des Druckprozesses ist kein Makel, sondern Gestaltungselement, und jedes Objekt erzählt von seinem Entstehungsprozess.

In meinem Mitgründer Henry habe ich jemanden gefunden, der diese Vision teilt. Gemeinsam wollen wir die Technologie nutzen, um eigene Ideen zu verwirklichen und anderen Zugang dazu zu ermöglichen.

Was genau bietest Du wem an?

Wir richten uns primär an den Bereich der Möbel- und Interieurgestaltung. Für Unternehmen aus Gastronomie, Retail und Hotellerie entwickeln wir individuelle Einrichtungsobjekte: von Lampenschirmen über Raumteiler bis zu funktionalen Sitzmöbeln. Dabei arbeiten wir eng mit Interior-Designern zusammen und ergänzen ihre Raumkonzepte um besondere Elemente.

Der Vorteil: 3D-Druck ist ein digitaler Fertigungsprozess, mit dem wir ab Stückzahl eins kosteneffizient individuelle, großformatige Objekte herstellen können. Das Ganze ist problemlos skalierbar.

Neben unserer Tätigkeit als Dienstleister bauen wir eigene Marken auf. Mit Boldobjects.de vertreiben wir selbst gestaltete Möbel direkt an Endkunden. Unser erstes Produkt ist der Flow Chair, ein ergonomischer Hocker, der durch den 3D-Druck ein dreidimensionales Sitzgefühl ermöglicht.

Mit unserer Marke hankoni bedienen wir eine weitere Nische: personalisierte Kleiderbügel für Hochzeiten, Events oder als Kindergeschenke, gefertigt on demand über einen Online-Konfigurator.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus? Was sind typische Tätigkeiten?

Mein Tag beginnt als Familienvater damit, meine Kinder für Schule und Kita vorzubereiten und meinen Sohn in die Kita zu bringen. Danach fahre ich mit dem Rad ins Büro nach Eimsbüttel. Die Fahrt hilft mir, den Kopf freizubekommen und mich gedanklich auf den Tag vorzubereiten.

Die Aufgaben als Gründer sind vielseitig. Ich starte mit einem Check-in mit Henry, dann wird nach Priorität gearbeitet. Laufen alle Drucker, kommen Bestellungen aus dem Onlineshop dazu? Der Rest ist ein Mix aus Entwurfsarbeit, Angebote schreiben, Kundenpräsentationen vorbereiten und Webseite pflegen. Die Liste ist in einem kleinen Team quasi endlos. Die entscheidende Frage ist immer: Was hat gerade Priorität?

Was war bisher Dein spannendster Auftrag / Dein schönstes Erlebnis?

Einer unserer ersten Kunden ist die Junge Bäckerei. Die ersten Projekte, die wir zusammen umgesetzt haben, werden gerade ausgerollt, und es ist toll zu sehen, wie die Produkte im täglichen Einsatz funktionieren. Langfristige Kundenbeziehungen sind uns wichtig, und mit Junge hatten wir das Glück, von Beginn an eine solche Partnerschaft aufzubauen.

Was waren bisher die größten Herausforderungen für Dich in der Selbstständigkeit?

Die Selbstständigkeit ist intensiv, im Positiven wie im Negativen. Läuft es gut, kann man Erfolge feiern und bekommt die volle Anerkennung dafür. Läuft etwas nicht rund, zieht einen das auch mal runter. Die Balance zu finden ist eine der alltäglichen Herausforderungen, macht die Selbstständigkeit aber auch zu einer spannenden Reise.

Inwiefern war die Beratung der .garage hilfreich?

Wenn man die Selbstständigkeit vorbereitet, gibt es tausend Fragen und Unsicherheiten. Einen persönlichen Ansprechpartner zu haben, der einem in dieser Situation souverän weiterhilft, ist Gold wert. Frederic hat mir bei der Beantragung des Gründungszuschusses geholfen und mich mühelos durch den Prozess bis zur Genehmigung begleitet. Das war eine echte Erleichterung.

Was sind die wichtigsten Tools für Deine Arbeit?

Wir arbeiten viel mit Miro, einem Tool zum Sammeln von Informationen auf Boards, das eine gute Zusammenarbeit ermöglicht. Es hilft uns bei allen Prozessen, von der Aufgabenplanung bis zur Designpräsentation.

Dazu nutzen wir eine Reihe von KI-Tools, von der Bilderstellung über Textbearbeitung bis zur Programmierung. KI hilft uns in fast allen Bereichen effizienter zu arbeiten, und diesen Vorteil können wir auch preislich an unsere Kunden weitergeben.

Was sind Deine aktuellen Pläne und was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Wir möchten Boldobjects weiter ausbauen, weitere Produkte entwickeln, die mit 3D-Druck einen echten Mehrwert schaffen, ästhetisch, funktional und nachhaltig. Wir arbeiten mit recycelten Kunststoffen und bieten die Rücknahme der Produkte zum Recycling an. Da steckt noch viel Potenzial, um eigene Materialkreisläufe weiter auszubauen.

Auch im Bereich der individuellen Kundenprojekte gibt es noch viel zu erschließen. Wir arbeiten eng mit der Materialforschung zusammen und wollen 3D-Druck als Produktionsmethode stärker etablieren: lokal, on demand, ohne Lagerbestände und mit eigenen Materialkreisläufen. Es gibt noch viel zu tun, und das ist gut so.

Was ist für Dich das Schönste an Deinem Job?

Die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen, neue Dinge auszuprobieren und Entscheidungen zu treffen.

Was möchtest Du anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Ein Unternehmen zu gründen, kann sehr herausfordernd sein, aber auch sehr befriedigend. Wenn man es aus den richtigen Gründen macht, weil man an eine Idee glaubt und an sich selbst, hat man eine solide Basis, um diese Achterbahn zu genießen und immer das Positive zu sehen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Daniel Streilein ist auch hier zu finden: