Geschichten so zu begleiten, dass sie ihr volles Potenzial entfalten können, steht im Mittelpunkt von Annikas Arbeit. Sie lektoriert Belletristik, hauptsächlich Fantasy, Romance und Kinderbücher, und unterstützt Autor*innen dabei, ihre Texte klarer, stimmiger und passgenauer für Leser*innen oder Verlage zu gestalten. Nach ihrem Masterstudium der Literaturwissenschaft arbeitete sie zunächst als Autorenbetreuerin und Projektmanagerin bei einem Selfpublishingdienstleister. Anschließend sammelte sie Erfahrungen im Verlagsbereich, wo sie unter anderem Heftromane lektorierte. Der Wunsch, freier und vielseitiger arbeiten zu können, führte sie schließlich in die Selbstständigkeit. Im Interview erzählt sie, wie ein typischer Arbeitstag für sie aussieht und was sie sich für die Zukunft wünscht.
Was ist Deine Geschäftsidee, wie bist Du darauf gekommen und wann bist Du gestartet?
Meine Geschäftsidee ist eigentlich ziemlich einfach: Ich sorge dafür, dass aus einem Text ein Buch wird, das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Dafür arbeite ich mit Autor*innen an ihren Texten, verfeinere, coache und teile mein Wissen auf Social Media.
Die Idee zur Selbstständigkeit war ehrlich gesagt schon länger da. Es war immer so ein leiser Gedanke im Hinterkopf: Wenn es mit dem Verlag nicht klappt, dann mache ich es eben selbst. Als ich dann nicht mehr festangestellt war, habe ich die Gründung mit einem AVGS (Aktiverungs- und Vermittlungsgutschein für Gründungsberatung) vorbereitet. Gestartet bin ich dann im Mai 2023, zunächst im Duo als GbR. Seit Sommer 2025 bin ich solo unterwegs.
Was genau bietest Du wem an?
Meistens kommen Autor*innen zu mir, wenn aus ihrem Text ein richtiges Buch werden soll. Das Manuskript ist dann oft schon fertig geschrieben, aber sie benötigen jemanden, der noch einmal kritisch und mit Blick für den Buchmarkt draufschaut. Ich gehe den Text sprachlich und inhaltlich durch und prüfe, ob die Geschichte logisch ist und man sie gerne von vorn bis hinten liest. Manchmal geht es auch einfach darum, zu bestätigen, dass eine Geschichte und ein Schreibstil schon lesenswert sind und ob das Buch wirklich Potenzial hat.
Ich begleite viele Autor*innen aber nicht nur mit einem Lektorat, sondern darüber hinaus zum Beispiel bei Verlagsbewerbungen mit Exposéchecks oder als Coachin durch den Selfpublishingprozess bis zur Veröffentlichung.
Die meisten meiner Kund*innen sind Selfpublisher*innen. Ich arbeite aber auch mit Verlagen zusammen und bin insgesamt recht breit aufgestellt. Ich nehme unterschiedliche Projekte, zum Beispiel aus den Genres New Adult, Fantasy oder auch Krimi an, egal ob Roman oder Kurzgeschichte.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus? Was sind typische Tätigkeiten?
Einen richtig typischen Arbeitsalltag gibt es bei mir eigentlich nicht. Jeder Tag ist irgendwie anders und unvorhersehbar. Aber in der Regel starte ich mit Social Media, einfach wegen der Sichtbarkeit. Danach verschaffe ich mir einen Überblick und arbeite meine Aufgaben nach Priorität ab.
Den größten Teil des Tages verbringe ich mit Lesen, meist von Manuskripten oder Exposés. Ich mache Anmerkungen und recherchiere viel. Danach formuliere ich Feedback und stimme mich mit den Autor*innen ab. Durch die Textarbeit entstehen oft auch Ideen für neue Social-Media-Posts. Daneben tüftle ich an Ideen für die Akquise oder neue Angebote. Und dann immer wieder Social Media über den Tag verteilt.
Donnerstags habe ich ein Co-Working mit einer Bekannten per Videocall. Wir quatschen erst ein bisschen und arbeiten dann nebeneinander, einfach mit dem Wissen, dass die andere da ist. Das motiviert total, gerade weil man im Alltag doch viel allein ist.
Ich arbeite zunächst bis in den frühen Nachmittag, weil ich dann mein Kind abhole und der zweite Teil des Tages startet. Abends arbeite ich dann häufig weiter. Die Selbstständigkeit hat mir viel Flexibilität gegeben, gleichzeitig arbeite ich aber auch oft abends oder am Wochenende, um Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen.
Was war bisher Dein spannendster Auftrag/ Dein spannendstes Projekt?
Jeder Auftrag ist spannend, weil ich immer neue Personen und neue Geschichten kennenlerne. Ich finde es spannend, mich in neue Welten einzuarbeiten und diese zu einem gewissen Teil mitzugestalten. Zu erkennen, was der*die Autor*in damit aussagen und erreichen will. Dabei geht es viel um das Zwischenmenschliche: Wie direkt darf mein Feedback sein? Wie viele Eingriffe sind okay? Denn es ist ja nicht meine Geschichte. Und welches Vorwissen bringt die Person mit? Ich freue mich einfach, dass ich von Grund auf dabei bin, wenn Träume in Erfüllung gehen.
Was waren bisher die größten Herausforderungen für Dich in der Selbstständigkeit?
Definitiv meine Schwangerschaft. Als Selbstständige schwanger zu werden, ist eine echte Herausforderung. Es gibt viel Unsicherheit, auch bei bekannten Beratungsstellen, wenn es um Elterngeld und Selbstständigkeit geht. Hinzukam, dass die finanzielle Situation noch angespannt war, weil ich durch die Selbstständigkeit nur geringe Einnahmen aus dem Vorjahr vorweisen konnte. Deshalb habe ich relativ früh wieder gearbeitet, was teilweise eine starke Doppelbelastung war. Gleichzeitig hatte ich das Glück, dass meine Geschäftspartnerin das Lektorat in dieser Zeit weitergeführt hat, sodass wir nach meiner Rückkehr ohne größere Rückschritte weitermachen konnten.
Inwiefern war die Beratung der .garage hilfreich?
Frederic wurde mir von mehreren Gründerinnen empfohlen und ich bin sehr froh, dass ich ihren Rat angenommen hatte, denn er hat definitiv dazu beigetragen, dass wir die Idee tatsächlich umgesetzt haben. Einfach dadurch, dass er unsere Unsicherheiten gut aufgefangen und uns in einem sicheren Tempo durch den Prozess geführt hat. Gerade bei dem Zahlenteil des Businessplans war das für uns enorm hilfreich. Das war echt unser Angstgegner.
Er war immer ansprechbar, das war besonders wichtig, wenn von außen andere Meinungen kamen, die uns sehr verunsicherten. Es hat uns viel gegeben, jemanden an der Seite zu haben, der wirklich verstand, was wir aufbauen wollen, und uns darin auch bestärkt hat. Zusätzlich hat er uns ganz konkret beim Gründungszuschuss unterstützt.
Was sind die wichtigsten Tools für Deine Arbeit?
- Korrektorat: LanguageTool
- Marketing: Instagram (Messenger und Meta Sound Collection), ChatGPT, Canva
- Backoffice: Lexoffice, Google Calendar, Storage Share von Hetzner (auch für Videocalls)
Was sind Deine aktuellen Pläne und was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Aktuell arbeite ich daran, mein Angebot noch sichtbarer zu machen. Ein Thema, das ich deshalb schon länger mit mir herumtrage, sind eigene Webinare und Workbooks. Die Ideen sind da, ich komme nur im Alltag noch nicht so richtig dazu, sie auch wirklich umzusetzen. Langfristig wünsche ich mir vor allem, dass meine Selbstständigkeit gut in meinen Alltag passt.
Was ist für Dich das Schönste an Deinem Job?
Das Schönste an meinem Job ist es, Autor*innen Sicherheit zu geben, und mitzuerleben, wie aus ihren Ideen und Texten Bücher werden, die die Leser*innen genauso lieben und verstehen wie ich.
Was möchtest Du anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Ich habe vor der Gründung viel recherchiert und Seminare besucht. Das hat mir die Zeit gegeben, ein Gefühl für die Dinge zu bekommen, die da auf mich zukommen. Trotzdem bleiben Momente, in denen ich mich unsicher fühle und sich nicht alles zu 100 % planen lässt. Quasi täglich. Gerade dann ist es wichtig, auf ein Netzwerk zurückgreifen zu können, das einen versteht.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Annika Kayser ist auch hier zu finden:
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- Website: du-ich-lektorat.de
- Instagram: du_ich_lektorat
