Bei ihr dreht sich alles um Stimme, Therapie und Klang. Als staatlich anerkannte Logopädin, zertifizierte Vocal Coachin und Klangarbeiterin verfolgt Viktoria einen ganzheitlichen Ansatz. Nach ihrer Ausbildung zur Logopädin in Hamburg und der Qualifikation als Vocal Coachin absolvierte sie zusätzlich Weiterbildungen in Klangarbeit sowie in der Craniosakraltherapie. Noch vor ihrer Selbstständigkeit setzte sie bereits Online-Workshops zur Stimmgesundheit und zur präventiven Stimmarbeit für Sänger*innen um. Im Jahr 2022 durften wir sie dann im Rahmen einer mehrwöchigen Gründungsberatung begleiten. Im Interview erzählt Viktoria unter anderem, warum die eigene Stimme für sie eine so zentrale Rolle spielt und was für sie das Schönste an ihrem Job ist.
Was ist Deine Geschäftsidee, wie bist Du darauf gekommen und wann bist Du gestartet?
Im Jahr 2021 entstand aus dem Wunsch heraus, logopädische Therapie mit professioneller Gesangsarbeit zu verbinden, die Geschäftsidee, Stimme ganzheitlich medizinisch und künstlerisch zu begleiten. Seit Juni 2022 bin ich unter dem Namen Vocalart selbstständig tätig und habe mein Angebot zunächst in Räumlichkeiten einer Hamburger Gemeinschaftspraxis etabliert.
Aufgrund der wachsenden Nachfrage habe ich meine Praxis räumlich vergrößert und mein Konzept weiter individualisiert, sodass Vocalart heute als eigenständige Praxis in einem Ärztehaus in der Max-Brauer-Allee in Hamburg-Altona besteht. Dort arbeite ich überwiegend selbstständig und werde punktuell im administrativen Bereich unterstützt.
Was genau bietest Du wem an?
Ich biete logopädische Therapie und Vocal Coaching für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an, mit einem klaren Schwerpunkt auf erwachsenen Patient*innen und Klient*innen (insbesondere Sprecher*innen, Lehrer*innen, Schauspieler*innen, Sänger*innen sowie Menschen, die beruflich viel sprechen oder auf Bühnen stehen). Zusätzlich begleite ich Personen, die sich als Speaker*innen positionieren möchten oder ihre Stimme gezielt für Vorträge, Präsentationen, Bühnenformate oder Social Media einsetzen wollen.
Dabei geht es nicht nur um stimmliche Belastbarkeit, sondern auch um Präsenz, Ausdruck und Selbstsicherheit. Stimme und Persönlichkeit sind eng miteinander verbunden und beeinflussen maßgeblich, wie authentisch, glaubwürdig und wirksam jemand wahrgenommen wird.
Mein therapeutischer Schwerpunkt liegt heute vor allem auf funktionellen und organischen Stimmstörungen, wie z. B. chronischer Heiserkeit, stressbedingtem Stimmausfall, stimmlicher Überlastung oder Beschwerden nach operativen Eingriffen. Ergänzend arbeite ich präventiv mit Menschen, die ihre Stimme beruflich stark beanspruchen.
Ein zentrales Element meiner Arbeit ist der ganzheitliche Body–Mind–Soul-Ansatz:
Body steht für die somatische und manuelle Stimmarbeit, einschließlich Hands-on-Techniken und Craniosakraltherapie, um muskuläre Spannungen im Körper sowie im Sprech- und Stimmapparat zu lösen. Mind beschreibt die logopädische Arbeit mit funktionellen Übungen, die die Muskel-Mind-Connection fördern, Bewegungsabläufe neu organisieren und die bewusste Wahrnehmung der Stimme schulen. Soul schafft Raum für Regeneration und emotionale Integration durch Klangarbeit, in der mit Frequenzen, Schwingung und Entspannung gearbeitet wird, um das Nervensystem zu regulieren und die Stimme nachhaltig aufzutanken. Dieser Ansatz ermöglicht es, die Stimme nicht isoliert zu betrachten, sondern den Menschen in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und langfristig zu begleiten.
Was waren bisher die größten Herausforderungen für Dich in der Selbstständigkeit?
Meine größte Herausforderung waren bisher die technischen und kreativen Tools, die ich mir größtenteils selbst aneignen musste, um in der Gründerphase hohe Anschaffungskosten zu vermeiden. Diese sind in der Selbstständigkeit essenziell, erfordern jedoch Zeit, Energie und kontinuierliches Lernen, bis sie routiniert und effektiv eingesetzt werden können.
Inwiefern war die Beratung der .garage hilfreich?
Die Beratung bei Frederic Breiler hat mir einen klaren roten Leitfaden für die Selbstständigkeit gegeben. Besonders bei Themen wie Business- und Finanzplanung konnte ich von seiner fachkundigen Erfahrung profitieren und meine Ideen strukturierter und fokussierter umsetzen. Darüber hinaus hat er mir wertvolle Businesskontakte aus unterschiedlichen Bereichen vermittelt, die mich in der Gründungsphase unterstützt haben.
Was sind die wichtigsten Tools für Deine Arbeit?
Zu meinen wichtigsten Tools zählen Lexoffice für die Buchhaltung sowie TeamUp für die strukturierte Patienten- und Terminplanung. Für die Gestaltung und Pflege meiner Website arbeite ich mit WordPress und Canva, um Inhalte professionell und visuell ansprechend umzusetzen.
Zusätzlich nutze ich die DAW Logic, um Stimmaufnahmen zu dokumentieren und den stimmlichen Fortschritt meiner Patient*innen und Klient*innen vergleichbar und nachvollziehbar zu machen.
Was sind Deine aktuellen Pläne und was wünschst Du Dir für die Zukunft?
Ich möchte meine Arbeit weiterhin konsequent auf die Stimme als zentrales Werkzeug der Selbstermächtigung ausrichten. Die Stimme transportiert Emotionen, Bedürfnisse und Identität und ist essenziell für zwischenmenschliche Verbindung und soziale Teilhabe. Ergänzend ist es mir wichtig, noch stärker sichtbar zu machen, dass die Stimme auch darüber entscheidet, wie selbstbewusst Menschen auftreten, wie sie auf Social Media wirken und wie überzeugend sie im beruflichen Kontext wahrgenommen werden. Sie ist ein Spiegel der inneren Verfassung – und zugleich ein kraftvolles Instrument, um Präsenz, Wirkung und Lebensqualität aktiv zu gestalten.
Was ist für Dich das Schönste an Deinem Job?
Das selbstbestimmte und abwechslungsreiche Arbeiten mit Menschen, das mich immer wieder vor neue Herausforderungen stellt und lösungsorientiertes Denken fördert. Besonders erfüllend ist es für mich, Teil eines Heilungs- oder Schaffensprozesses zu sein und Menschen mit meiner therapeutischen und kreativen Arbeit nachhaltig zu unterstützen.
Was möchtest Du anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Man sollte nicht darauf warten, bis perfekte Bedingungen herrschen, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen oder ein Business neu auszurichten. Den idealen Zeitpunkt gibt es selten, und gerade am Anfang gehört ein gewisses Risiko dazu. Gleichzeitig halte ich kontinuierliche Weiterbildung für essenziell. Auch wenn man glaubt, fachlich bereits viel zu wissen, ist es wichtig, mit der Zeit zu gehen, neue therapeutische wie auch technische Kompetenzen zu erlernen und offen für Entwicklung zu bleiben, um unterschiedliche Menschen zu erreichen und langfristig wirksam zu arbeiten.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Viktoria Borkowska ist auch hier zu finden:
- Website: vocalart-hamburg.de
- Instagram: vocalart.hamburg
